Die Hitzknötchen (Hitzpocken).
Die multiple Knötchenbildung in der Haut als Folge von Sattel- und Geschirrdruck.
Diese Affectionen, welche ich bei den Hautkrankheiten speciell beschreiben werde, unterhalten zwar auch eine juckende Empfindung, unterscheiden sich aber von der Räude schon durch das Fehlen des heftigeren Juckgefühls, welches der Thierarzt bei einiger Erfahrung als die Wirkung thierischer Parasiten leicht erkennen kann. Schwierig gestaltet sich die Diagnose gegenüber solchen Exanthemen aber zuweilen, wenn bei einem einzelnen Pferde der Räudeausschlag sich in der ersten Entwickelung befindet oder wenn derselbe durch eine Palliativbehandlung auf einem niederen Grade erhalten ist und über die Vorgeschichte des Falles sich Nichts eruiren lässt.
Prognose. Die in Rede stehenden beiden Arten der Pferderäude sind immer als erhebliche Krankheiten anzusehen, deren sichere Heilung in der Praxis von der energischen Durchführung eines umfassenden Curplans abhängt. Schwer heilbar ist insbesondere die Sarcoptesräude, weil die Milben derselben in die Haut eindringen und sich hierdurch zum Theil den Wirkungen der Heilmittel entziehen. Selbst bei scheinbar vollständiger Abheilung der Erscheinungen kommt nicht selten nach einigen Wochen oder Monaten die Räude von Neuem zur AusÄTaung. Denn auch bei einer sorgfältigen Behandlung bleiben leicht einzelne Milben am Leben. Für die ßeurtheilung der Krankheit ist deshalb zu berücksichtigen, ob der Besitzer ernstlich gewillt ist, mehrere Wochen hindurch die Application der Heilmittel mit der erforderlichen Sorgfalt ausführen zu lassen.
Wird die Räude bei alten Pferden von geringem Werthe constatirt, so ist die Tödtung der Thiere de lästigen und durch die Ausführung auch kostspieligen Behandlung aus wirthschaftlichen Gründen vorzuziehen. Die bei langer Dauer der allgemeinen Räude eintretende krankhafte Abmagerung (Kachexie) kann einen so hohen Grad erreichen, dass die Pferde als unheilbar und werthlos zu erachten sind. Von praktischem Interesse ist für den Thierarzt, dass solche Pferde bei der eingreifenden Behandlung der Krankheit leicht zu Grunde gehen.
Die Sarcoptesräude des Pferdes kann sich auch auf den Menschen übertragen. In der Regel heilt aber der Ausschlag von selbst wieder ab. Einzelne Personen können sich indess durch Ansteckung von den betreffenden Pferden die echte Krätze zuziehen. — Für das Schmarotzerthum der Derma-tocoptes- und Dermatophagusmilben ist der Mensch nicht empfänglich. Therapie. Die Tödtung sämmtlicher Milben und die Vernichtung der keimfähigen Milbeneier sind die Aufgaben für die Behandlung der räudekranken Pferde. Demnach beschränkt sich die Cur auf die Anwendung äusserer Heilmittel. Die innere Behandlung der Räude, auf welche früher viel Gewicht gelegt wurde, ist nicht motivirt. Mit der Cur muss gleichzeitig eine Desinfection des Krankenstalles und der Stallutensilien ausgeführt werden, damit nicht nach Beendigung der Behandlung eine erneute Uebertragung der Milben stattfindet. Im Wesentlichen ist bei dieser Desinfection auf die Entfernung des Stalldüngers, auf die Abwaschung der Krippen, Raufen, Futtergänge, Tränkeimer etc. mit heisser Lauge, auf die Reinigung der Decken und des Pferdegeschirrs mit kochendem Wasser und auf die Uebertünchung der Stallwände und des Fussbodens mit Kalkmilch, welcher etwas Chlorkalk zugesetzt wird — Bedacht zu nehmen. Um die erfolgreiche Wirkung der milbenwidrigen Mittel zu sichern, ist die Haut der räudekranken Pferde vorher zweckmässig zu präpariren. In dieser Hinsicht kann das Scheeren der Patienten grosse Vortheile bieten. Nothwendig ist ferner die Erweichung der Schuppen, Krusten und Borken durch Einreiben von lOproc. Oarbolöl oder Carbolglycerin oder von Sap. viridis und Abbähen mit warmem Wasser oder Kleienwasser oder einer 0,5proc. Lösung von Kalium carbon. Einigen Nutzen gewährt auch die forcirte Anwendung des Striegels. Im Sommer können die räudekranken Pferde vor der Application der Mittel eine Zeit lang den warmen Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, damit durch die Erwärmung der Haut die Milben aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen.
Zur Vernichtung der Mühen sind viele Mittel empfohlen worden. Ihre Wirksamkeit gestaltet sich aber in praxi nicht gleich. Indess kommt es bei jedem*Mittel wesentlich darauf an, dass dasselbe zweckmässig applicirt wird. Namentlich verlangt die Sarcoptesräude eine sehr sorgfältige Anwendung der Medicamente. Die flüssigen Präparate lassen sich leichter auf die Haut vertheilen, als Salben und Linimente. Letztere bringen ausserdem die Unannehmlichkeit mit sich, dass sie die Haut und das Haar verkleben und erst nach vielfach wiederholten Waschungen vollständig wieder entfernt werden können. Da aber die Wirkung der in die Haut eingeriebenen Salben relativ lange andauert, so empfiehlt sich die Anwendung der Mittel in dieser Form an den stark afficirten Hautpartien und an solchen Stellen, auf welche flüssige Lösungen sich nicht gut auftragen lassen (Kopf, Kehlgang). In allen Fällen ist auf die wiederholte Application der betreffenden Mittel zu halten. Sonst bleiben stets einzelne Milben am Leben, wodurch der vollständige Erfolg der Cur vereitelt wird. Zur Heilung der Sarcoptesräude bei einem Pferde werden in der Regel 4—5 Wochen erforderlich, während die Dermato-coptesräude in 2—3 Wochen vollständig zu heilen ist. Der Erfolg der Behandlung ist zunächst dadurch zu controliren, dass die Patienten beim Reiben der kranken Hautpartien kein Juckgefühl mehr äussern.
Gegen die Sarcoptesräude sind folgende Mittel als die wirksamsten anzusehen:
1) Arsenikpräparate: Die Fowler'sche Lösung (Acidum arsen. 1, Kalium carb. 1, Aq. com. 100); oder die Mathieu'sehe Lösung (Acid. arsen. 1, Alum. 10, Aq. 100); oder die Viborg'sche, neuerdings von Schleg empfohlene Lösung (Acid. arsen., Kai. carb. ana 1, Aq. com., Acet. com. ana 100). Die Arseniklösungen, denen zur Verhütung eines fahrlässigen' Missbrauchs zweckmässig eine geringe Quantität von Oleum animale foetidum zuzusetzen ist, werden in der Quantität von etwa 500 Grm. mit einer Bürste auf die kranken Hautpartien eingerieben. Es empfiehlt sich, zunächst eine und am nächsten Tage die andere Seite des Körpers der Behandlung zu unterziehen, darauf aber die Waschung für die folgenden 3 Tage auszusetzen. Eine drei- bis viermalige Application der Arsenikwaschungen ist zur Heilung der Krankheit gewöhnlich schon ausreichend. Nur an den schwer afficirten Hautstellen wird zuweilen noch eine Fortsetzung der -Behandlung nothwendig.
2) Sublimat: Hydr. bichlor. 1; Natr. chlor. 3; Aq. 100. Der Zusatz von Kochsalz verhindert die Zersetzung des Sublimats. Empfehlenswerth ist die Beifügung eines widrig riechenden Mittels zur Verhütung einer fahrlässigen Beschädigung von Personen. Die Pferde vertragen die am besten mittels einer Bürste auszuführenden Waschungen mit lproc. Sublimatlösung sehr gut. Bei umfangreicher Erkrankung der Haut sind täglich einmal V2—1 Liter dieser Lösung einzureiben. Nach 6—8 Tagen werden die allgemeinen Waschungen ausgesetzt. Für einzelne schwer afficirte Hautpartien empfiehlt sich die Anwendung einer 2—3proc. Lösung.